Globale Partnerschaft mit Bolivien: Wasser verbindet
In Neustadt an der Weinstraße ist das Projekt „Wasser verbindet: Resiliente Wasserversorgung durch die Kooperation zwischen Neustadt an der Weinstraße (Deutschland) und Independencia (Bolivien)“ offiziell gestartet. Das im September 2025 gestartete Vorhaben markiert den Beginn der kommunalen Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten und rückt die Bedeutung internationaler Kooperationen im Zeichen des Klimawandels in den Fokus.
Wer ist beteiligt?
Gefördert wird die Maßnahme durch Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Auch der Freundeskreis Kunan Mink’a e.V. aus Gimmeldingen unterstützt das Vorhaben finanziell. Es lebt dabei von der Zusammenarbeit der Stadt Neustadt mit dem Freundeskreis Kunan Mink’a, dem Comité Cívico von Independencia und dem Centro Cultural Ayopayamanta. So wurde der Projektantrag gemeinsam erarbeitet, und auch die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung innerhalb der deutsch-bolivianischen Projektgruppe.
Was wird gebaut?
In der Gemeinde Independencia (Region Ayopaya) wurde ein 150 m³ großer Wassertank gebaut, der hilft, die Wasserversorgung mit Trink- und Brauchwasser für 2.600 Personen in der Region langfristig zu sichern.
Der neue Wassertank befindet sich im nördlichen Teil der Ortschaft Erapata und wird über eine bestehende, rund sechs Kilometer lange Zuleitung aus Fluss- und Quellwasser gespeist. Ergänzend fanden Schulungen von Fachkräften statt, die den Betrieb und die Wartung des Tanks gewährleisten. Darüber hinaus wurden im lokalen Radio Beiträge zum Bau des Wassertanks ausgestrahlt und Umweltbildungsprogramme zum Thema angemessener Umgang mit Wasser in Schulworkshops, Videos und Broschüren für Kinder und Jugendliche angeboten.
Deutsch-bolivianischer Themenabend
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger konnten am 19. November 2025 von 19:00 bis 21:00 Uhr an einem virtuellen Austausch gemeinsam mit Vertretenden der bolivianischen Seite sowie dem Freundeskreis Kunan Mink'a e.V. teilnehmen.
Ziel des Formats war es, den fachlichen und interkulturellen Dialog zu vertiefen, den aktuellen Stand des Projekts vorzustellen und über Lösungsansätze im Bereich des Wassermanagements in Bolivien und Deutschland zu diskutieren. Teilnehmende erhielten spannende Einblicke in Bolivien und die Region Ayopaya, in der unsere Kooperationskommune Independencia liegt. Die Veranstaltung wurde professionell moderiert und deutsch-spanisch übersetzt.
Der Klimawandel führt zu Veränderungen des lokalen Klimas (Dürre, Hitze, Starkregen etc.) und beeinflusst damit auch die Wasserverfügbarkeit, landwirtschaftliche Produktivität, Biodiversität und die Bevölkerung in beiden Ländern, auf unterschiedliche Art und Weise. Wie sehen die lokalen Klimawandelfolgen in Independencia und Neustadt aus? Welche möglichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen?
Nach einer kurzen Begrüßung der Beigeordneten der Stadt Neustadt an der Weinstraße Johanna Kunzendorff sowie Vertretern der bolivianischen Seite und des Freundeskreis Kunan Mink’a e.V., folgte eine Vorstellung der Partnerkommune Independencia. Dafür wurde ein Kurzfilm vom ökologischen Zentrum in Independencia vorbereitet, der spannende Einblicke über das Leben in Bolivien brachte. Die Umweltpsychologin und Klimaanpassungsmanagerin Dr. Andrea Petmecky veranschaulichte anschließend den bolivianischen Zuschauenden die Stadt Neustadt in einer PowerPoint-Präsentation.
Daraufhin wurde das Projekt präsentiert: Der Bau des Wassertanks wurde durch zahlreiche Fotos von der Baustelle dokumentiert. Vortragender war der Präsident des Comité Civico, Donato Maldonado Terrazas.
Schließlich fand das Austauschgespräch statt. An diesem nahmen seitens Neustadt Dr. Andrea Petmecky, Robert Leimkühler (Wasser-, Abfall- & Bodenschutzbehörde) und Bernd Naumer (Landwirt) teil. Die bolivianische Seite wurde von drei Ingenieuren, Ing. Civil Carlos Alberto Estrada, Ing. Agrónomo Raul Guzman und Ing. Agrónomo Jorge Aquino Ascuy, vertreten.
Am Ende des Gesprächs konnte festgestellt werden, dass beide Seiten unter ähnlichen Folgen des Klimawandels leiden und ein effektives Handeln dringend erforderlich ist.
Wir danken den interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie den vortragenden Personen für diesen spannenden Austausch!
Fokus-Beitrag
Am 24. März 2026 beteiligte sich Neustadt mit einem Beitrag am virtuellen Praxisforum "Klima & Nachhaltigkeit – Kommunale Partnerschaften für eine nachhaltige Trinkwasserversorgung". Organisiert von der SKEW (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt), konnten hier verschiedene Städte und Gemeinden ihre Partnerschaft mit Kommunen im globalen Süden vorstellen. Hier finden Sie den gesamten Artikel zum Durchlesen.
Globale Herausforderungen - gemeinsame Lösungen
Aufgrund des Klimawandels ist Bolivien – insbesondere ländliche Regionen wie Ayopaya – zunehmend von Trockenperioden betroffen. Eine anhaltende Dürre im Jahr 2023 hatte dort sogar zur Rationierung von Trinkwasser geführt. Auch in Neustadt an der Weinstraße ist die Bedeutung einer sicheren Wasserversorgung in Zeiten des Klimawandels spürbar. Das Klimaanpassungskonzept (im September 2025 vom Stadtrat verabschiedet) prognostiziert eine erhöhte Betroffenheit von längeren Trockenperioden und eine verringerte Grundwasserneubildung, insbesondere im Pfälzerwald.
„Dieses Projekt zeigt, wie stark globale Themen lokal wirken – ob in den Anden oder in der Pfalz. Durch den Austausch lernen wir voneinander und stärken das Bewusstsein dafür, dass wir Kommunen in einer gemeinsamen Welt sind."
- Johanna Kunzendorff, Beigeordnete der Stadt Neustadt
Umweltbildungsmaßnahmen
Parallel zum Bau des Wassertanks wurde Wissen vermittelt. Kinder, Jugendliche und Lehrpersonal beschäftigten sich mit Themen wie Klimawandel, Trinkwasserversorgung und Hygiene. In Schulen, bei Veranstaltungen und im Radio wurde darüber gesprochen, wie wertvoll Wasser ist. „Die Kinder sind die Zukunft“, so Donato Maldonado Terrazas, Präsident des Comité Civico. Ein Satz, der transportiert, wie wichtig es ist, früh ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser zu schaffen. Außerdem wurden Fachkräfte in Independencia geschult, um den Betrieb und die Wartung des Wassertanks langfristig sicherzustellen.
Fertiger Tank und Einweihungsfeier
Der 20. Mai 2026 markiert das offizielle Ende des Tankbaus. Mit einem feierlichen Festakt vor Ort wurde der neue Wassertank von der Gemeinde eingeweiht. Anwesend warem zudem lokale Radiosendr, die bolivianische Seite des Projektteams, der Bürgermeister von Independencia, Vertretende der örtlichen Kirche und Sozialstation sowie zahlreiche Personen aus der zivilen Bevölkerung. Die Stadt Neustadt verfolgte die Feier per Online-Meeting und konnte dabei einen Einblick in die bolivianische kultur gewinnen.
Wir gratulieren Independencia zum neuen Wassertank und hoffen, dass sich die Wasserversorgung vor Ort somit etwas leichter gestaltet!
Impressionen aus Bolivien
©Vera Drude (Kunan Mink'a)
Updates zur Baustelle
©Comité Civico Independencia
Kontakt
Frau Clara Hüther: Detailseite
Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik
Festplatzstraße 8
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67433 Neustadt an der Weinstraße